Jeff Thoss: Batman in Versen – Batman subversiv? Der Superheldencomic in der zeitgenössischen britischen Lyrik

Seit Mitte der 80er Jahre genießen Comics in der englischsprachigen Welt auch außerhalb der einschlägigen Subkulturen erhöhte Aufmerksamkeit. Dies lässt sich in der Presse, in Schulen und Universitäten ebenso wie in Museen beobachten, manifestiert sich aber auch darin, dass anderen Kunstformen vermehrt auf Comics Bezug nehmen. Der Boom an Comicverfilmungen ist vielfach diskutiert worden, und die Wissenschaft hat etwa auch die Verbindungen zwischen Roman und Comic bereits in Ansätzen erfasst.[1]Weniger Aufmerksamkeit wurde bislang den intermedialen Verweise einer Kunstform geschenkt, deren Affinität zum Comic auf der ersten Blick eher fraglich erscheint: Lyrik. Es gibt jedoch eine Reihe prominenter Dichter und Dichterinnen, die Comics – insbesondere Superheldencomics – in ihren Texten verarbeiten. In meinem Vortrag möchte ich mich auf einige britische Lyriker und Lyrikerinnen beschränken und ihre „Superheldengedichte“ mit Blick auf den Comic- und Superheldendiskurs ihrer Zeit lesen. Als Ausgangspunkt soll dabei das 1992 erschienene Rollengedicht „Kid“ von Simon Armitagedienen. Dieser Text, eine Abschiedstirade von Robin an Batman,lässt sich als mehr oder weniger indirekt als Kommentar zur Entwicklung des Superheldencomics der 80er lesen, insbesondere zum vermeintlichen Erwachsenwerden der Gattung ebenso wie zur Dekonstruktion der Heldenfigur. Die durchaus kritische Art und Weise, wie Literatur hier mit Superhelden umgeht, eröffnet auch die Frage danach, wie das Verhältnis von Lyrik(als traditionell hoher Kunst) und Superheldencomic (als traditionell populärer Kunstform)allgemein zu denken ist. Bietet die Lyrik einen Freiraum für Reflektion, der in den Superheldencomics selbst mit ihren oft restriktiven Rechteverhältnissen schwerbar vorstellbar ist? Oder geht es den Dichtern lediglich darum, das steigende Ansehen der Comics zu nutzen um ihr eigenes Medium zu profilieren und symbolisches Kapital zu generieren?Auch in der Rezeptionsgeschichte von „Kid“ gibt es interessante Ansatzpunkte für Überlegungen zum kulturellen Status von Comics, da das Gedicht inzwischen zum englischen Schulkanon gehört – trotz oder gerade wegen Comicbezugs. Wie Armitageund andere Autoren und Autorinnen eindrucksvoll zeigen, zirkuliert der Superheldencomic längst als Teil einer Allgemeinkultur und wird selbst von scheinbar entlegenen Kunstformenaufgenommen und auf vielfältige Weise weitergeschrieben (bzw. -gezeichnet).


[1]SieheetwaMark Jancovich und Matthew P. McAllister (Hg.),Film and Comic Books (Jackson: University of Mississippi Press, 2007), bzw. Hillary Chute, „Ragtime, Kavalier & Clay, and the Framing of Comics,“Modern Fiction Studies 52 (2008): 268-301.